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Kindheit im Altersheim

Kochen, spielen, Bücher lesen: Im Haus Neumargareten der ÖJAB profitieren Kinder von der langjährigen Erfahrungen der Senioren. Ein integratives Projekt, das jung und alt verbindet.


Die drei jährige Celine lernt von der 74-jährigen Gertraud wie man kocht. Sie ist aber nicht ihre Oma, sondern sie treffen sich jeden Tag im Kindergarten. Celine besucht den Kindergarten in Gertrauds Zuhause - in dem Haus Neumargareten der ÖJAB (Österreichische Jungarbeiterbewegung), das im zwölften Wiener Gemeindebezirk liegt. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein ganz gewöhnliches Altersheim, doch das Ungewöhnliche findet sich bei den Bewohnerinnen und Bewohnern: Hier werden Kinder und Seniorinnen und Senioren unter einem Dach und gemeinsam betreut. So verbringen verschiedene Generationen gemeinsam ihren Alltag und profitieren von der jeweils anderen.

„In der Begleitung bündeln wir unsere Kräfte und machen Ihr Ziel zu unserem Ziel“ – so lautet das Motto des Hauses Neumargareten. Ein Haus, in dem 218 pflegebedürftige Seniorinnen und Senioren seit den 1980er-Jahren ein neues Zuhause gefunden haben. Seit 2001 ist hier der Kindergarten “Kindercompany” eingezogen, die Bewohnerinnen und Bewohner sprechen von einer “großen Familie”, die seither hier lebt. Dieses integrative Projekt, von dem Kinder und Seniorinnen und Senioren voneinander profitieren können, wurde erstmal in Österreich durch das Heim Neumargareten verwirklicht. 

Erstmals 1976 in Japan entstanden, ist das erste integrative Altersheim mit einem angeschlossenen Kindergarten in Tokio eröffnet worden. Das Konzept verbreitet sich weltweit.

Alltag im Haus

Gertraud Lesniewicz, eine Bewohnerin des Altersheims sagt, dass sie täglich von Kindern umgeben ist: „Sie kommen überall dazu: zum Singen, zur Kochrunde, zum Turnen. Wenn wir im Garten sitzen, spielen die Kinder neben uns."

Einer der besonders beliebten Aktivitäten im Heim ist der gemeinsame Kochtag. Jeden Donnerstag stellen Kinder und Seniorinnen und Senioren zusammen ein Gericht her. Auch Frau Lesniewicz arbeitet bei der Kochrunde mit, das sei eine von ihren Lieblingsaktivitäten mit den Kindern, sagt sie.


Zusammenlernen durch gemeinsame Aktivitäten

In der Montessorirunde sitzen alle zusammen und spielen verschiedene Spiele unter der Leitung der Heimbetreuung. Das Programm wird jede Woche anders gestaltet, weil immer mit verschiedenen Materialien gearbeitet wird. „Jede Einheit an sich ist eine Abwechslung, vor allem weil nicht immer die gleichen Seniorinnen und Senioren dabei sind und auch nicht die gleichen Kinder“, meint Mathilda Pranjkovic, Leiterin der Seniorenbetreuung.

Bei einem sind sich alle einig: Die gemeinsamen Feste und Theateraufführungen sind unter allen Bewohnerinnen und Bewohnern besonders beliebt.

Das Konzept und seine Vorteile

Das Konzept ist eine Alternative für Kinder, deren Großeltern weit entfernt wohnen oder schon verstorben sind. Experten sind der Meinung, dass Seniorinnen und Senioren aufgrund dieser gemeinsamen Projekte mit Kindern viel weniger an Depressionen leiden. Sie sagen, dass Konzepte wie diese Erkrankungen wie Demenz vorbeugen können und das Einfühlungsvermögen von unterschiedlichen Generationen stärken.