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Bock auf Integration

Seit 15 Jahren bietet Ute Bock mit ihrem Verein ein Zuhause und Hilfe zur Integration von Menschen an, die aus ihren Heimatländern flüchten mussten und nach Österreich kamen. Am 27 Juni 2017 feiert Ute Bock ihren 75. Geburtstag und mit ihr der Verein sein 15-jähriges Bestehen.


Ute Bock ist sein Vorbild. Es ist ihre starke Persönlichkeit, die ihm imponiert: Couragiert für die eigenen Ziele zu kämpfen, ohne dabei auf ihre Mitmenschen zu vergessen.  Er erzählt von einer Frau, die ihr Privatleben aufopferte, um für Flüchtlinge da zu sein und um die österreichische Bevölkerung für die Lebensrealität von Flüchtlingen zu sensibilisieren. Manchmal verbrachte sie ganze Nächte in ihrem Büro, erzählt er: „Am Morgen habe ich sie schlafend  in ihrem Schreibtischsessel gefunden und auf die Frage was sie gegessen habe, antwortete sie nur: eine Wurstsemmel.“ Er spricht von einer bescheidenen Frau, der es angesichts des Leides der Flüchtlinge falsch vorkam, ein Festmahl zu sich zu nehmen.

Er, Ibrahim Ari, arbeitet seit April 2005 bei Ute Bock. Er war der erste Angestellte im Ute Bock-Haus, das damals noch in der Zollergasse im siebten Wiener Gemeindebezirk war – und er ist bis heute als Sozialpädagoge bei Ute Bock tätig. Den Verein dahinter gibt es allerdings schon länger, seit 2002 ist er unter dem Namen „Flüchtlingsprojekt Ute Bock“ bekannt. 

Dieses Jahr stehen dem Verein daher gleich zwei Jubiläen ins Haus: Ute Bock feiert ihren 75. Geburtstag, der Verein sein 15-jähriges Bestehen. Anlässlich dieser beiden Geburtstage findet am 27. Juni ein großes Straßenfest in der Zohmanngasse statt. Flüchtlinge, freiwillige Helfer, prominente Unterstützer und alle die Bock haben, werden gemeinsam Ute Bock hochleben lassen.

  • Gratulation zum Geburtstag (Verein Flüchtlingsprojekt Ute Bock)
  • Ute Bock Haus (Verein Flüchtlingsprojekt Ute Bock)

Der Beginn einer langen Zusammenarbeit

Die Geschichte von Ibrahim Ari und Ute Bock begann im Jahr 2004. Der Sozialpädagoge betreute damals eine Wohngemeinschaft, in der minderjährige Flüchtlinge lebten. Sechs Jugendliche mussten aus der Wohngemeinschaft ausziehen, da sie volljährig geworden waren. „Ich konnte sie nicht einfach auf die Straße setzen, das wäre ein Vertrauensbruch gewesen“, sagt Ibrahim. Also nahm er damals mit Ute Bock Kontakt auf, die zu diesem Zeitpunkt noch etwas provisorisch Flüchtlinge in renovierungsbedürftigen Häusern untergebracht hatte. Sie konnte drei der sechs Flüchtlinge bei sich aufnehmen. 

Nach Auflösung jener Wohngemeinschaft, in der Ibrahim arbeitete, begann er im Jahr 2005, bei Ute Bock zu arbeiten. Heute ist er die erste Anlaufstelle für Flüchtlinge, die aus Ländern wie Nigeria, Afghanistan, Armenien, Syrien, Irak oder auch der Russischen Föderation kommen. Der Verein „Flüchtlingsprojekt Ute Bock“ bietet jenen Flüchtlingen, die sich noch in ihrem Asylverfahren befinden und kein Einkommen haben, Unterkunft, Beratung, Obdachlosenmeldung und Bildung. Im Ute Bock-Haus, das im Mai 2012 in die Zohmanngasse im zehnten Wiener Gemeindebezirk übersiedelt ist, leben derzeit rund 100 Asylwerber. Weitere 250 Personen leben in anderen Wohnungen in und um Wien, die dem Verein von Spenderinnen und Spendern zur Verfügung gestellt werden. Für insgesamt 600 Asylsuchenden kann der Verein einen Meldeservice anbieten. Sie sind in der Zohmanngasse gemeldet, was wiederum für ihr Asylverfahren erforderlich ist. 

Bock auf neue Initiativen

In der Zohmanngasse herrscht reges Treiben: Die BewohnerInnen kommen und gehen, es gibt einen großen Sozialberatungsraum, einen schönen Garten und zwischen den Zimmern gibt es auch kleine Gemeinschafträume, wo die Asylwerber und Asylwerberinnen ihre Zeit verbringen können. Sami Ahmedi ist einer von ihnen. Als DJ hat der 24-Jährige bereits einige größere öffentliche Auftritte in Österreich gehabt - unter anderem im Wiener Club "Fluc". „Das Auflegen und Abmischen von Musik habe ich mir selbst über YouTube beigebracht“, erzählt er sichtlich stolz. Er hat auch das Projekt "Bock auf Kreativität" ins Leben gerufen. Im Zuge dieses Projekts organisiert er auch DJ-Workshops für junge Asylwerber und Asylwerberinnen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. „Ich will ihnen zeigen, was Musik und Kunst bedeuten können und sie damit motivieren“, sagt er. Diese Workshops finden immer an unterschiedlichen Orten statt.

Dem Verein stehen auch noch sieben andere „Bock auf …“-Projekte nahe. „Bock auf Kultur“ ist das einzige dieser Projekte, das vom Verein selbst organisiert wird. Es findet jedes Jahr von Oktober bis Dezember statt und umfasst unter anderem Musik, Kabarett und Theater.

  • Bock auf Revo*lotion (http://www.fraubock.at/)
  • Bock auf Punsch (http://www.fraubock.at/)
  • Bock auf Kreativität (http://www.fraubock.at/)

Ute Bock hilft noch immer mit

Ute Bock engagiert sich nach wie vor aktiv in ihrem Verein - auch wenn sie aufgrund eines Schlaganfalls vor etwas mehr als zwei Jahren nun stärker auf ihre Gesundheit achten muss. Daher arbeitet sie nun vermehrt von ihrem Schreibtisch aus und übernimmt administrative Aufgaben. „Ute Bock ist nach wie vor Obfrau des Vereins, aber der Verein selbst ist nun mehr in den Vordergrund getreten“, sagt Pressesprecherin Victoria Strobl. 

Ibrahim ist überzeugt, dass Ute Bock ihrer Arbeit solange nachgehen wird, wie sie kann: „Sie entwickelte durch ihre langjährige Erfahrung ein Gespür für Menschen aus verschiedenen Regionen. Es fällt ihr manchmal schwer, andere ans Werk zu lassen, denn sie weiß, dass sie nicht die gleiche Erfahrung haben wie sie“, sagt er. 

Doch jetzt dürfen sich Ute Bock und ihr Verein erst mal feiern lassen. Beim Straßenfest am 27. Juni in der Zohmanngasse gibt es von Open House über Open Stage und vielen namhaften Künstlern noch vieles mehr zu erleben. Es soll aber vor allem die lange und intensive Arbeit von Ute Bock gewürdigt werden.