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Drogen machen assozial

Eine Drogensucht ist eine Krankheit - In Österreich gibt es aktuell rund 30.000 Menschen, die von opiathaltigen Drogen abhängig sind. Doch warum werden Suchterkrankte gesellschaftlich stigmatisiert und wie wird ihnen geholfen? Ein Gespräch mit Wolfgang Reithofer, Geschäftsführer der Suchthilfe Wien.


Über Drogen und dem missbräuchlichen Gebrauch davon wird viel in den Medien berichtet. In der Bevölkerung wird meist emotional und mit geringem Fachwissen über das Thema gesprochen. Doch der Mensch dahinter, der, ob selbst- oder fremdverschuldet, in die Drogensucht geraten ist, bleibt oft auf der Strecke. Genau hier liegt ein Grundproblem: In der Gesellschaft sind Angstbilder verankert, die einerseits durch Medienberichte transportiert werden und andererseits den Zugang und richtigen Umgang mit Drogensüchtigen erschweren.  Darüber haben wir mit dem Geschäftsführer der Suchthilfe in Wien, Wolfgang Reithofer, gesprochen.

 „Eine blutige Spritze ist ein Angstbild. Wir Menschen sind sehr archetypisch und eine Spritze erinnert uns an einen Reißzahn. Da haben wir Angst!“

Eine Spritze ruft bei vielen Menschen den Gedanken hervor, dass sie selbst oder ihre Kinder an einer Infektionserkrankung erkranken könnten, sagt Reithofer. Doch er sagt auch, dass das in Wien in den vergangenen sieben Jahren kein einziges Mal vorgekommen sei: 

„Wir prüfen das in den Spitälern nach. Im Vergleich dazu werden mindestens 5000 Kinder im Jahr im Straßenverkehr verletzt.“ 

Wie geht die Gesellschaft mit dem Thema Suchterkrankung um? Laut Reithofer, ist Alkohol die am meisten konsumierte Droge in Österreich. Hierzulande gibt es rund 370.000 Alkoholkranke. Doch über Alkohol als die Gesellschaftsdroge, sehen die meisten Menschen hinweg, es wird oft verharmlost.

Der öffentliche Raum spielt auch eine große Rolle. Vor allem in Ottakring ist der Drogenhandel ein Thema. Entlang der U-Bahnstrecke U6 stehen Drogendealer, es sind meist Serben, Afrikaner oder Österreicher, sagt Reithofer. Um Stereotype zu vermeiden und auch um ihnen Wege aus diesem Geschäft aufzuzeigen, sagt Reithofer, müsse man diesen Menschen offen begegnen und nicht in die Falle der Vorurteile tappen. 

Europäischer Drogenbericht - Österreich "untere Mittelklasse"

Einen Überblick über das Drogenproblem in Österreich liefert der alljährlich von der Gesundheit Österreich GmbH im Auftrag der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) und des Gesundheitsministeriums erstellte Drogenbericht. Aus der jüngsten Ausgabe für das Jahr 2016 geht hervor, dass die Zahl der Einsteiger und Einsteigerinnen in den risikoreichen Opiatkonsum (vor allem das Injizieren von Heroin) weiter rückläufig ist, während die Zahl der drogenbezogenen Todesfälle erstmals seit Jahren ansteigt. Zwischen 29.000 und 33.000 Menschen in Österreich konsumieren regelmäßig opiathaltige Drogen. Vor allem in der Gruppe der jungen Erwachsenen (15 bis 34 Jahre) ist ein starker Rückgang zu verzeichnen. Die Anzahl suchtgiftbezogener Todesfälle stieg hingegen auf 153. Das mittlere Sterbealter beträgt 33 Jahre.

Insgesamt lässt der Bericht den Schluss zu, dass sich Österreich im europäischen Vergleich beim Drogenkonsum in allen Substanzkategorien in der unteren Mittelklasse befindet. Die bei weitem am häufigsten konsumierte illegale Droge in Österreich ist Cannabis. 30 bis 40 Prozent - also rund jeder Dritte - der Österreicher und Österreicherinnen haben zumindest einmal im Leben Cannabis konsumiert, innerhalb eines Jahres kommt man auf eine sehr geringe Anzahl und die liegt bei etwa vier Prozent. In der Gruppe der jungen Erwachsenen sind es 4,1 bis acht Prozent, die im letzten Jahr Cannabis konsumiert haben. Im Vergleich: Spanien, Frankreich und Tschechien kommen auf über zwölf Prozent. Damit fällt Österreich in die vorletzte Kategorie. Gleiches gilt auch für den Kokainkonsum (zwischen 1,1 und zwei Prozent) und dem MDMA- Gebrauch (0,6 bis ein Prozent).

Welche Droge ist die im Moment am meist verbreitete in Österreich?

Die nachfolgende Timeline gibt Auskunft über die Drogen Trends der letzten Jahrzehnte und liefert zusätzlich Informationen zu diesen. 

Der erste Schritt aus der Abhängigkeit

Der Schwerpunkt der Suchtprävention liegt in Österreich auf dem Bereich der legalen Substanzen. Was den Alkohol angeht, findet sich Österreich mit jährlich durchschnittlich 12,2 Litern konsumierten reinen Alkohols pro Kopf in der europäischen Spitzengruppe, genauer gesagt auf Platz drei. Doch über Alkohol als die Gesellschaftsdroge, sehen die meisten Menschen hinweg, es wird oft verharmlost. Ähnliches gilt für den Tabakkonsum. Vielen fällt es schwer, sich ihre Sucht einzugestehen und das Problem als solches wahrzunehmen, um von sich aus auf die Hilfsmöglichkeiten zurückzugreifen. Die Selbsteingeständnis und die Einsicht, dass man in der Tat süchtig ist, man nicht mehr so weiter machen will und Hilfe braucht, ist der erste Schritt aus der Sucht.

Im Jahr 2015 waren in Österreich rund 23.250 Personen in drogenspezifischer Behandlung. Den Großteil machen Menschen mit Opiat-Problematik aus (etwa 19.700 Personen). Eine solche suchtmedizinische Behandlung bietet beispielsweise das Ambulatorium der Suchthilfe Wien. Mit weiterführenden Projekten wie „jedmayer“ oder „streetwork“ werden den Suchtkranken Hilfsangebote wie eine Unterkunft, Nahrung, Kleidung, Hygiene, psychosoziale Betreuung, Rechtsberatung, diverse Schulungen, Kriseninterventionen, Vermittlung an soziale und medizinische Einrichtungen, oder gemeinwesenorientierte Straßensozialarbeit geboten. Ziel ist es, den Betroffenen ein sicheres Überleben und die Abdeckung von Grundbedürfnissen zu ermöglichen. In weiterer Folge geht  es aber auch darum, ehemals Suchterkrankte in die Gesellschaft zu resozialisieren. 

Wer Hilfe sucht ist hier richtig

Diese vierzehn Beratungsstellen bieten Menschen mit einer Suchterkrankung eine Anlaufstelle. Wobei die Sorgen und Probleme mit Hilfe von professionellen Therapeuten gelindert werden sollen.