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Ein Konzert aus neuen Augen

Als Besucher nimmt man sie oft nur in ihren Funktionen wahr, doch spielen sie für den geregelten Ablauf eine unverzichtbare Rolle. Mal sitzen sie im dunklen Hintergrund, mal erleichtern sie uns der Garderobe: Wir haben mit einem Tontechniker, einer Garderobiere, einem Rigger und einem Security über ihren Beruf und ihre ganz persönlichen Erfahrungen gesprochen.


In diesem Artikel werden vier Geschichten erzählt. Jede Geschichte aus anderen Augen und von Menschen, die in ihrem Beruf ein Konzert mitgestalten und wahrscheinlich auch überhaupt erst möglich machen. In diesen verschiedenen Schilderungen werden ihre Alltage beschrieben.

A day in the life: Oliver ‘Öli’ Kamaryt

27. Mai, 13:00 Uhr, Alsergrund, Wien. Das Treiben in einer Stadt die kaum schläft ist an diesem schwülen Sonntag beängstigend wenig. Vor dem prestigeträchtigen WUK in der Währingerstraße hat sich schon eine kleine Traube an Menschen gebildet. Besucher? Fehlanzeige - es ist immerhin nicht die Stadthalle und Justin Bieber ist auch nicht in der Stadt. Es ist eine Band und deren Technikerteam, die sich bereits 8 Stunden vor der eigentlichen Show-Time hier zusammenfinden um über die vergangene Woche zu sprechen. Man hört hier etliche Wortfetzen “Heftige Woche” - “…aber schön wars in jedem Fall!” - “Ich hab echt so eine schöne Zeit ghabt!”. Es ist das Abschlusskonzert der Tour und man erwartet circa 200 Menschen, die sich gemeinsam mit der Band ein letztes Mal verausgaben, bevor man sich für ein paar Tage vom echten Leben abmeldet um die Post-Tour-Depression zu verdauen. Was auf der Bühne passiert, ist klar. Eine Band inszeniert sich. Vom Walk-On-Stage, bis zur Encore - es ist eine Show. Was passiert aber hinter der Bühne? Was passiert, während alle Springen und Tanzen?

Oliver Kamaryt ist an diesem Tag dafür verantwortlich, dass die Band auf die Bühne gehen darf und man sie auch hört. Öli, wie ihn jeder nennt, wurde 1987 in Wien geboren. Aufgewachsen ist er in Erdberg, wo er auch heute noch residiert. Seine Jugendliebe: Nirvana - eine Band, die seinen Weg bis heute immer wieder beeinflussen und kreuzen wird. Doch bevor Öli seine Zukunft in der Ton- und Soundtechnik fand, war er Intensivpfleger auf der Anästhesie-Intensivstation im Krankenhaus Hietzing. Eine 180 Grad Drehung sozusagen. Seine technische Ausbildung begann er in der SET - School of Entertainment im 23. Wiener Gemeindebezirk. Dort mauserte er sich zum erstklassigen Schüler, der auch außerhalb des Unterrichts seine eigenen ersten Produktionen immer wieder aufarbeitet und so einen klaren Vorteil gegenüber dem Rest der Mitstreiter erhaschen konnte. In dieser Zeit kam er auch von reiner Studiotechnik zur Livetechnik. Außerdem konnte er seinen damaligen Lehrer, Georg Gabler (‘I Am From Austria’ - Bandleader der Fendrich Band), so beeindrucken, dass er inzwischen fast alle Produktionen als seine rechte Hand bestreitet - Georg als der Produzent, Öli als Engineer. Diese Grenzen und Labels verschwinden aber in den Produktionen oft. Öli hat immer eine passende Antwort und einfallsreiche Ideen, wenn es um Sound und Songwriting geht - das merken auch viele Bands, denn er wird immer mehr als Produzent gebucht (zuletzt bei der oberösterreichischen Stoner-Rock Band ‘Parasol Caravan’). Am 01.01.2016 wurde er offiziell selbständig. ‘Die beste Entscheidung seines Lebens’ - wie er sagt.

14:00 Uhr - Hektisch wird es unter den Fingern von Oliver Kamaryt nie. Ausladen steht jetzt am Programm. Tontechnik ist nämlich nicht nur Tontechnik. Gerade bei Produktionen dieser Größenordnung packen alle gemeinsam an - dafür besitzt man seine Arbeitshandschuhe. Der Bus wird immer leerer und langsam lichtet sich das Dickicht aus Gitarren, Schlagzeug, Ständern und Mikrofonen. Eben jene bewegt Öli zur Bühne und spricht sich mit dem Haustechniker ab, was denn noch zusätzlich gebraucht wird und wie man generell mit dem Patchablauf (patchen ist der Vorgang des Kabelsteckens - klingt leicht, ist aber mit der heutigen Technik eine eigene Wissenschaft geworden) vorgeht. Man hört die Wörter “Inputliste”, “InEar Rack”, “Aux Wege” und “Ausleger” durch die Halle des WUK pfeifen. Die Band hat während sie ihre Instrumente auf die Bühne stellt und sich um viele andere organisatorische Sachen kümmern muss, keinen Kopf für die wirklich essentiellen Dinge, damit eine Show funktioniert. Kabel werden gepatcht, Mikrofone aufgestellt und die Anlage und der Raum wird ebenfalls ausgemessen.

“Bassdrum bitte!”, ruft Öli herzlich aber auch mit gewissem Nachdruck in die Halle. 16:00 Uhr - nach einigen anderen kleinen Hürden kann der Soundcheck beginnen. Man hat jetzt eine Stunde, um die Band gut klingen zu lassen. Denn dann muss der Support-Act auch seinen Soundcheck beginnen. Jedes Signal das von der Bühne kommt wird einzeln durchgenommen. Jedes Instrument muss spielen. Er lehnt sich über das Mischpult. Für einen Laien hört auch hier das Verständnis der Tontechnik auf. Ein digitales Mischpult ist wahrscheinlich eines der umfangreichsten und schwierigsten Tools der heutigen Zeit. Unendlich Möglichkeiten eröffnen sich mit diesen neuen Pulten - das hört und sieht man. Musiker nennen es ‘the Zone’ wenn sie gerade in ihrem musikalischen und kreativen Zenith arbeiten. Öli ist gerade in der Zone - obwohl er hier keinen Song schreibt. Für ihn war musizieren immer ein Schritt zu viel, nicht weil er keine Songs schreiben kann, vielmehr deswegen weil er immer den ganzen Song im Kopf hat und das den Blick auf das wesentliche verwehrt. In der Tontechnik kann er aber die komplette Kraft seiner Kreativität ausschöpfen. Tief über das Pult gebeugt equalized er jedes der Signale, die er immer wieder von den Musikern einfordert. Nach circa 15 Minuten bittet er die Band als Gesamtes zu spielen. Musik. Endlich. Man hört jetzt deutlich, was es heißt Tontechniker zu sein. Was vorher noch kalt und leer war, klingt jetzt nach einem perfekt verschwitzten und bierreichen Abend. Wenn man die Augen schließt, könnte man meinen das Konzert hätte schon begonnen. Die Band hört auf zu spielen. “Geil…” hört man Öli zu sich selbst sagen. Es klingt nicht wie ein Selbstlob. Vielmehr klingt das nach einem Menschen, der genau das macht was er will und viel Spaß daran hat.

20:45. Öli hat seine Show nach dem Soundcheck gespeichert, damit er sie vor der Show laden kann. Jetzt ist es er, der auf die Bühne geht und alle Mikrofone doppelt checkt und schaut ob alles das macht, was er will. Nachdem er seinen Rundgang beendet hat, tritt er zur Band hinter die Bühne. Umarmungen und Küsse. Es fühlt sich an wie eine Familienfeier unter sehr guten Freunden. “Jungs, der Song noch, dann gehts los! Ihr packts das. Bis später!” - mit diesen Worten tritt er in den Saal und zurück zu seinem Mischpult. Niemand weiß, wie wichtig dieser Mensch der gerade an ihnen vorbei ging war - doch erst jetzt beginnt die richtige Arbeit. Die Band betritt die Bühne. Öli ist wahrscheinlich genauso aktiv wie eben jene an ihren Instrumenten - nur an Fadern und Reglern. Effekte wie Reverb und Delay werden extra von ihm Zugschnitten und an den richtigen Stellen des Sets platziert. Man merkt, dass er die Songs kennt und liebt. Eine unsichtbare Verbindung zwischen Band und Techniker wird mit jeder Minute des Konzertes intensiver.

22:30. Es liegt der Geruch von Schweiß in der Luft. Während des Konzerts hatte es mehr als 40 Grad. Die Halle war voll. Die Show ist vorbei, die Band steht am Merchandise-Stand, verkauft CD’s und trinkt Bier. Nur einer zieht sich wieder seine Arbeitshandschuhe an.

"Nein, die Garderobe kostet Sie nichts!"

  • Volkstheater im Abendrot. - Quelle: Carmen Strobel

Neuer Tag, neuer Standort: Während die Sonne ihre Abendrunde zieht, treten wir vor das Volkstheater Wien. Mit einem jungen Programm in einem traditionsreichen Haus, zieht das Haus ein buntes Publikum von jung bis alt an. Gerade diese Spannung zwischen alt und neu, klassisch und modern machen das Volkstheater zu einem Ort voller interessanter Facetten.
Die Vorstellung hat bereits begonnen, doch hinter der Bühne geht die Arbeit weiter. Tür auf, Treppe rauf, an der roten Bar vorbei. Es klingen die Gläser im Hintergrund, die sommerliche Hitze staut sich trotz offener Fenster und letzte Besucherinnen eilen an uns vorbei.

Aus Mitte dieses Geschehens strahlt uns Pia mit ihrem großen Lachen entgegen. Tagsüber steckt sie für ihr Studium den Kopf in die Bücher, abends schlüpft sie in ihre seidig schwarze Weste und nimmt ihre Aufgabe im Publikumsdienst des Volkstheaters Wien auf. Genauer gesagt ist sie das Gesicht der Garderobe und das bereits seit 10 Jahren. Wir haben mit ihr über ihre Aufgaben und Begegnungen über das letzte Jahrzehnt hinweg gesprochen.

Angefangen hat alles mit ihrem ehemaligen Arbeitskollegen. Der half zu dieser Zeit bereits am Volkstheater aus und brachte sie auf den Geschmack. Kein halbes Jahr später stand sie dann schon selber in Position und nahm ihre Arbeit auf. Seitdem sind viele Tage einhergegangen, die Hausleitung änderte sich genauso wie das typische Publikum, doch ihre Rhythmus bleibt bestehen:

Eine Stunde vor Beginn öffnet sie ihre Vorhänge, der Vorraum muss geordnet und die Garderobe auf den Ansturm vorbereitet werden. Schon bald treten erste Gäste an sie heran. Steht man täglich wie sie selbst hinter der Theke, wird man bald zum Bestandteil des Theaterbesuchs für die Gäste, erzählt sie uns. Von einigen wird sie nur in ihrer Funktion wahrgenommen, doch bei anderen trägt das Verhältnis seit langem freundschaftlichen Züge. Der Wiedererkennungswert liegt dabei auf beiden Seiten und man tauscht sich gerne über das Studium und die Familie aus. Sie kommt auf eine Familie zu sprechen, die sie bereits seit Tag eins kennt. Stets kamen sie mit ihrer jungen Tochter im Dreiergespann ins Theater, mit den Jahren wurde diese Erwachsen und heute begleitet sie ihr Freund hierher.

Sind die Gäste im Raum verschwunden, bekommt Pia eine kleine Pause bis zum nächsten Ansturm. Ob man nun die Kolleginnen auf einen Plausch bei sich hat oder man sich den eigenen Unterlagen widmet, die Zeit soll genutzt werden. Es gab Jahre, da verbrachte gar die kleine Tochter eines Schauspielers die freie Zeit mit ihr, während der Vater seiner Rolle auf der Bühne nachging.
 Sollte man aber das seltene Glück besitzen, hat man die Chance selbst in den Saal zu schauen und das Stück zu begleiten. „Ein Stück zu sehen, ist wie ein Buch zu lesen!“, mit diesen Worten beschreibt sie uns die Bereicherung, die ihr Job ganz im Speziellen mit sich bringt. Von Bowie bis Brecht hat sie auf diesem Weg einiges zu Gesicht bekommen.

Wir kommen zurück in die Gegenwart. Die Türen öffnen sich und die Damen und Herren in ihrer eleganten Abendgarderobe bahnen sich ihren Weg zu Pia durch. Mit Geduld, Freundlichkeit und einem gewissen diplomatischen Geschick, fängt sie die Besucherinnen in der Realität wieder auf. Manche schwärmen vom gelungenen Abend, wenige möchten sich von ihrer Enttäuschung befreien. Pia ist die erste Anlaufstelle und weiß gewiss zu antworten und schon bald ist von Frust keine Spur mehr geblieben.

Welche Rolle nimmt sie in diesem Raum ein, fragen wir Pia. Ihre Arbeit ist wie ein Scharnier, man begrüßt und nimmt in Empfang, man ist das erste Gesicht, das einem begegnet und vertritt das Haus von Sekunde eins an. Die Identifikation mit dem Haus spielt dabei in jeder Beziehung eine große Rolle und so bekommt sie ganz natürlich eine, wie Pia es nennt, atmosphärische Aufgabe: „Man muss das Haus in einer gewissen Ausstrahlung vertreten. Eine gewisse Wärme und Rahmen transportieren.“

„Was sind deine Pläne von hier an?“, wollen wir abschließend noch wissen. Aus Prinzip wäre es wohl Zeit nach 10 Jahren zu wechseln, doch fühlt sich dem Haus persönlich stark verbunden und bereitet ihr die Aufgabe an der Garderobe doch so viel Freude, sodass wir noch einige Jahre von ihren Strahlen begrüßt werden dürfen.

Mit den letzten Gästen, verschwindet auch Pia in Wiens dunkler Stunde. Für heute heißt es Feierabend, schon morgen wird sie wieder in einen ganz besonderen Arbeitstag an einen ganz besonderen Ort starten dürfen.

Wir sagen danke für die Zeit und ziehen zu unserem nächsten Schauplatz weiter.

Interview mit Rigger "Ben Catman"

Benedikt alias „Ben Catman“ ist ein charismatischer Typ mit einer großen Leidenschaft für die Musik. Aus diesem Grund ist er in seiner Branche und seinen verschiedenen Arbeitsbereichen voller Tatendrang dabei und versucht stets sein Bestes zu geben. Ob große Festivals, wie z.B. das Nova Rock in Nickelsdorf, oder etliche kleinere Konzerte ist er der Mann „hinter der Bühne“, der zwar nicht im Rampenlicht steht, aber dennoch für einen reibungslosen Ablauf von großer Wichtigkeit ist. 

  • Ben in Action. - Quelle: Facebook

Interviewer: Hallo Ben! Schön, dass du dir die Zeit genommen hast meine Fragen zu beantworten. Zu Beginn würde ich gerne eines klarstellen: Wie nennt man eigentlich deinen Job oder die Branche in welcher du tätig bist? 

Ben Catman: Also ich bin in der Festivalbranche tätig, also ein Teil der Konzertbranche und meine Tätigkeit ist die Assistenztätigkeit für den Chef des Pressebereichs am Nova Rock.

InterviewerAb morgen bist du vor Ort in Nickelsdorf. Wie laufen deine Vorbereitungen ab?

Ben Catman: Naja, wir haben seit zwei Monaten immer wieder Besprechungen und Sitzungen. Wir haben eine App mittlerweile, Wunderlist heißt die, wo wir To-Do Listen haben. Die haben wir mittlerweile schon abgearbeitet. Ja wir sind da guter Dinge und es läuft gut.

InterviewerWas sind für dich deine TOP 3 Must-Have’s für das Nova Rock?

Ben Catman: Hm, Gummistiefel ist das allerwichtigste, Bandana für die Haare und als Mundschutz und hm das dritte ... Sonnenschutz, auf alle Fälle.

InterviewerIn Nickelsdorf angekommen. Wie sieht die Aufgabenverteilung aus?

Ben Catman: Wir haben unsere Aufgaben ziemlich strikt verteilt eben mit unserer App, da wurde schon vor ein paar Wochen von mir den Kollegen zugewiesen, was wir zu tun haben und nachdem wir das jetzt zum zehnten Mal machen wissen wir genau was wir da tun. Also wir kommen an, das erste ist wir werden einmal unsere Unterkünfte herrichten und dann beginnen wir im Pressebereich gleich einmal mit den Elektrikern zusammen, dass der Strom gelegt wird, Bänke werden aufgestellt und das ganze Office Material herangeschafft. Das wird eh den ganzen Montag dauern. Vielleicht,  dass wir da noch Kleinigkeiten kriegen, Sonnenschirme, etc. etc., das schauen wir dann noch vor Ort, so wie es uns und den anderen Kollegen gegeben ist.

InterviewerApropos Aufgaben, was sind im Besonderen deine Tätigkeiten und für welchen Aufgabenbereich bist du genau zuständig?

Ben Catman: Ganz einfach, ich habe zwei Aufgabenbereiche. Einer ist der, dass wir bis Donnerstag, also bis zum ersten Spieltag einmal schauen, dass wir überhaupt den Pressebereich aufgebaut haben. Da habe ich eben ein Team, wie vorhin erklärt. Wir kommen an und haben leere Pagoden, leere Zelte und wir bauen alles rein und lassen alles anliefern und ich bin der, der es halt weiß wo es herkommt. Und dann während den Spieltagen werden mir Aufgaben von meinem Chef zugewiesen. Das kann sein, dass ich Backstage-Führungen mache mit Gewinnern oder auf die Bühne schaue bei Gewinnern. Ich kann aber auch mit den Presseleuten in den Bühnengraben gehen bei Konzerten, wir kennen das ja wenn die Fotografen drinnen stehen, das muss kontrolliert werden. Oder wir gehen auch zu Bands, holen alle zusammen und bitten sie, dass sie doch ein ausgemachtes Interview auch einhalten.

InterviewerSetzen wir Arbeit und Schlaf in eine prozentuelle Relation – wie sieht diese dann aus?

Ben Catman: (lacht) Naja, das klingt jetzt hart aber ich würde sagen 90% Arbeit, 10% Schlaf. Also wenn’s hoch herkommt drei Stunden Schlaf ist viel, von einem Tag auf den anderen.

InterviewerWas ist für dich das schrägste Erlebnis am Nova Rock, welches dir in Erinnerung geblieben ist?

Ben Catman: Da musst jetzt kurz warten, weil da muss ich selbst überlegen. (Pause) Naja, Nova Rock ist generell eine schräge Geschichte. Schräg sind zum Beispiel die Besucher, da gibt’s zum Beispiel zwei sehr schräge Gladiatoren, also wirklich in Gladiatorenoutfit, die auf einer motorisierten Couch durch die Gegend fahren am Campingplatz, das finde ich sehr schräg, das sind schon Klassiker, die sind jedes Jahr dabei, da warten wir schon drauf. Oder ein Typ ist immer als Bär verkleidet. Wie der das aushält ist mir auch ein Rätsel. Das sind schon Klassiker, also von den Besuchern. Von den Bands her, da gibt’s ein paar schräge Sachen, aber die darf ich halt nicht wirklich sagen. Es gibt immer was Neues und eigentlich ist die ganze Arbeit ziemlich schräg. 

InterviewerHast du die Gelegenheit KünstlerInnen persönlich kennenzulernen? Wie erlebst du sie unmittelbar vor ihren Auftritten?

Ben Catman: Ja, habe ich schon und ich habe sogar paar Freundschaften mit Künstlern geschlossen. Aber „Kennenlernen?“, weißt sie laufen halt herum bei dir, aber sie sind meistens eher störend bei meiner Arbeit, weil da muss man dann Rücksicht nehmen und alles. Die meisten sind einfach Vollprofis, total gelassen, also die ganz großen Bands. „KISS“ zum Beispiel, die machen ja vorher noch ihre Meet & Greets mit Gewinnern und bezahlte Meet & Greets, die sind so locker und lässig. Die jungen Bands sind halt nervös, aber die alten sind ganz easy.

InterviewerSeit zehn Jahren bist du schon dabei. Wirst du das auch in Zukunft wieder sein?

Ben Catman: Ja, also ich denke solange nichts passiert und es das Nova Rock gibt und ich es gesundheitlich schaffe, werde ich sicher dabei sein.

InterviewerAbschließend die Frage: Wann läutet denn dein Wecker morgen?

Ben Catman: (lacht) Vier Uhr in der Früh und dann geht’s los! 

Türsteher Willi

„Einer der härtesten und undankbarsten Jobs in dieser Szene aber jemand muss in erledigen“, meint Willi M., langjähriger Türsteher eines Szenelokals in Wiener Neustadt. Der 31-jährige Steirer, erlaubt uns, in einen Abend zu begleiten, um einen genauen Einblick darauf zu geben, was man als berauschter Partygast nicht mitbekommt bzw. mitbekommen will.

„Wir versuchen möglichst bedeckt, alle Angelegenheiten zu erledigen, ohne große Aufmerksamkeit auf das Geschehene zu ziehen. Das erspart uns oft eine Menge Ärger.“-Willi M.

Warum er als Türsteher so vorgeht darauf werden wir noch genauer zu sprechen kommen, jedoch eines nach dem anderen. Wie kommt man überhaupt dazu, so einen Beruf auszuüben? Braucht man Talent? Glück? Oder gar einen Todeswunsch?

„Nein keines davon“, meint Willi lachend. „Bei mir ergab sich das ganze eigentlich nur aus einer Gelegenheit und hat mich dann nicht mehr losgelassen“. Er verrät uns außerdem, dass einen kleines bisschen Mut natürlich auch dazu gehöre, allerdings komme mit der Routine auch die Entspannung. Das bedeutet allerdings nicht, dass Willi M. mit seiner Erfahrung seine Deckung fallen lässt. Im Gegenteil, meint Willi, „es kann immer und überall in kürzester Zeit Chaos ausbrechen, die Erfahrung hilft mir nur einen kühlen Kopf zu bewahren und dann angemessen zu reagieren.“

„Reagiere ich nicht richtig und ziehe die ganze Aufmerksamkeit auf eine Schlägerei, die ich beenden muss, biete ich den Streithähnen nur ein Publikum, was die Trottln nur noch mehr motiviert sich im Club die Zähne auszuschlagen.“ 

Das Türstehertum beinhält aber natürlich, wie alles im Leben, eine Licht- und eine Schattenseite. „Das beste an meinem Beruf? Dadurch, dass ich schon lange im selben Lokal bin, würde ich sagen der familiäre Umgang zwischen mir, den Kollegen und vor allem den Stammgästen.“ Willi verrät uns nämlich, dass diese nicht nur seine Lieblings-Gesprächspartner an der Bar seinen, sondern bei Auseinandersetzung als unterstützende Kraft fungieren. „Wenn ich sehe, dass mir die Leute zur Hilfe kommen, die ich zu beschützen haben, weiß ich einfach, dass ich was richtig gemacht habe“, erzählt uns Willi mit einem Schmunzeln im Gesicht. 

Zu den Schattenseiten seines Berufs zählt Willi nur Situationen in denen, so sagt er, nur noch um das Verletzen anderer geht und nicht mehr um irgendeinen Konflikt. „Wenn sie riesen Gruppen bilden und einer oder zwei Personen auflauern oder sobald eine Waffe im Spiel ist. Mit Hilfe von meinem Beruf habe ich gelernt mit Angst umzugehen, aber diese Situationen werden einen niemals kalt lassen.“

Der Abend neigt sich dem Ende zu und ich bin heilfroh, dass es heute, laut Willi, ein „relativ gschmeidiger“ war. Mittlerweile ist es halb sechs in der Früh, Dienstende für Willi. Abschließend kann ich nur noch hinzufügen, dass der Job des Türstehers alles andere als leicht ist und eine Menge Respekt verdient. Als ich Wille am Ende fragte, was er den Menschen noch sagen möchte meinte er nur, „Seid einfach höflich und nehmt die Entscheidungen des Türstehers nicht persönlich, das erspart uns allen viel Ärger.“