Multimedia

Pfadfinder zwischen Tradition und Inklusion

"Happiness is open to all" – das ist ein Ausspruch des Pfadfinder Gründers Sir Robert Baden-Powell. Doch was ist mit Homosexuellen? Mit Transsexuellen, Transgender, mit Bisexuellen? Sind diese nicht "alle"?


All Scouts are equal... but some are more equal than others!

Philipp Pertl ist Pfadfinder, seitdem er sieben Jahre alt ist. Mit neun Jahren weiß er, dass er homosexuell ist. Seine Mutter verbietet ihm seine Gefühle, die angeblich toleranten Pfadfinder bieten keine Zuflucht. Gerade sein Lieblingspfadfinderleiter erklärt Pertl, schwul zu sein wäre etwas Ekelhaftes. 

Pfadfinder, eine Gruppe die ehemals bekannt als traditioneller, konservativer Kirchenverein. Ein Vorurteil, das aufgearbeitet gehört.

Das Fass läuft über

Philipp Pertl bleibt begeisterter Pfadfinder. Die Diskriminierungen innerhalb des Vereins setzten sich allerdings fort. Ein besonderer Fall ereignete sich am Weltpfadfindertreffen 2011. Ein gemütliches Austausch- und Diskussionstreffen von schwulen und lesbischen Pfadfinder*innen durfte hier nicht angekündigt werden, ebenso wie die Regenbogenparade. Für Pertl war das der Zeitpunkt auf den geouteten Pfadfinderkollegen Günther "Güma" Marincelj zuzugehen, ihm die Wahrheit über sich zu sagen und vorzuschlagen, "Rainbow-Scouting Vienna" zu gründen. Trotz einiger Querelen wurde die Initiative "Rainbow-Scouting Vienna" im November 2011 gegründet und wenig später zu "Rainbow-Scouting Austria" gemacht.

"Alle" heißt alle!

Philipp Pertl ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, warum gerade die Pfadfinder im Bereich LGBT eher auf Inklusion, als auf Tradition setzen sollten. Sie prägen Kinder und Jugendliche in jungen Jahren für ihr ganzes Leben. Früh hört man die Geschichte des Prinzen und der Prinzessin. Gerade Pfadfinder sollten solche Geschichten auch anders erzählen: Der Prinz heiratet den Prinzen, das ist okay und sie sind glücklich.  

Dieses Bewusstsein möchten die Rainbow-Scouts vermitteln. Sie möchten für alle da sein und Respekt schaffen. Respekt, für den die Pfadfinderbewegung eigentlich steht, den sie aber irgendwo am Weg verloren haben muss. Die Jugendlichen sollen verstehen, wie wichtig es ist, alle Menschen zu achten. Weniger geht es darum, Menschen dazu zu bringen, sich zu outen. "Wir wollen bewusst machen, dass es Menschen gibt, die vielleicht Hilfe brauchen", erklärt Pertl.

Und wie kämpft man im Sinne des Regenbogens?

Den Rainbow-Scouts ist es wichtig, direkt mit den Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu treten. Dafür gibt es Workshops, die vor allem auf dem Kernstück der Methodenbox, dem LGBT-Methodenheft fußen. Es bringt das Thema LGBT spielerisch näher. Vom Körperteil-Memory über das Familienspiel bis hin zu Wissen um Homosexualität in der Tierwelt ist hier alles dabei. Das Heft genießt sogar so großes Ansehen, dass es derzeit in Englisch übersetzt wird und bereits an Lehrer*innen und Kircheninstitutionen verschickt wurde. Außerdem finden sich in der Methodenbox Postkarten, Plakate und die Buttons, mit denen man sich als Unterstützer deklariert.

Der Weg zum Ende des Regenbogens ist nicht nur rosig

Philipp Pertl ist heute Mit-Gründer der Rainbow-Scouts. Er ist geoutet und freut sich über den Anklang seiner Bewegung. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Auch mit der Gründung waren nicht alle Hindernisse überwunden. Kurz danach gab es vom Landesverband das Verbot, das Wort "homosexuell" zu benutzen. Man wurde gebeten "dieses Wort" doch bitte durch "im Sinne des Regenbogens" zu ersetzen. So sollte vermieden werden, die Initiative als "verfänglich" zu werten.

Stärker wiegt aber die Toleranz, die durch die Rainbow-Scouts in ganz Österreich steigt. In jedem Bundesland werden die Methoden bereits umgesetzt. Ein positives Erlebnis war auch der Sieg der Wagenwertung auf der Regenbogenparade. So konnte ein noch breiteres Publikum erreicht werden.

Am Ende des Regenbogens wartet... Toleranz!

Die Arbeit der Rainbow-Scouts ist umfangreich, zeitintensiv und erfolgt ehrenamtlich. Doch es überwiegt der Traum von einer inklusiven Welt. Diese Welt soll bei den Pfadfindern beginnen. Ganz nach dem Motto des damaligen Pfadfinder-Gründers Sir Robert Baden-Powell: Happiness is for all!