Generation Müll

Interview


Wie schätzt du die Situation in Wien ein, verglichen mit der globalen Lage? Was fällt dir auf?

Die Lage in Wien ist natürlich besser, als in dritte Welt Ländern, wo Menschen andere Sorgen haben, als sich mit ihrem Plastikverbrauch zu beschäftigen. Hier in Wien ist alles oberflächlich sauber. Problematisch sehe ich, dass Menschen zwar Fotos von vermüllten Stränden und gigantisch großen Müllinseln im Ozean sehen, aber teilweise nicht die Verbindung zu Österreich schaffen. Es wäre fatal zu denken, dass bei uns alles in Ordnung ist und wir nichts ändern müssen, nur weil unsere Straßen sehr sauber und müllbefreit sind im Vergleich zu anderen Ländern. Müllinseln und Co. sind ein globales Problem und es ist wichtig, das auch auf dieser Seite der Welt zu begreifen und zu handeln. Offensichtlich verbrauchen wir Österreicher nicht ganz so viel Einweg-Plastik wie zum Beispiel die Amerikaner. Jedoch sehe ich auch unseren Plastikverbrauch als viel zu hoch an. Menschen konsumieren Einweg-Plastik in Form von Flaschen und Obstsackerln ohne nachzudenken und das sollte sich gestern ändern!

Wie siehst du die Problematik mit dem Müll am Donaukanal, insbesondere im Sommer? (Beispiel Donaukanaltreiben)

Das sehe ich sehr problematisch, weil der Müll, der nicht im Mistkübel landet, leicht in den Donaukanal geweht werden kann und wir wissen ja, wo das hinführt. Flüsse können den Müll bis in das Meer tragen und durch das ganze Plastik in Flüssen und Meeren wird der Lebensraum von vielen Wasserbewohnern gefährdet und zerstört. Manche werfen ihren Müll auch direkt achtlos ins Wasser, was natürlich ebenfalls verheerend ist. Wenn die Mülleimer voll sind, sollte man seinen nicht daneben auftürmen, sondern einfach am Weg nach Hause oder zuhause entsorgen. Der beste Rat ist natürlich immer, einfach gleich weniger Müll zu produzieren.

Was hat dich dazu bewegt, dich mit Zero Waste auseinanderzusetzen und Maßnahmen für ein nachhaltigeres Leben zu setzen? Gab es Vorbilder?

Vor über vier Jahren wurde ich vegan. Wenig später habe ich mich mit den Herstellungsbedingungen in der Bekleidungswelt auseinandergesetzt und bin dann auf Fair Fashion umgestiegen. Dann habe ich begonnen, mein Leben nachhaltiger zu gestalten. Ich denke, es kommt einfach eins zum anderen, wenn man bereits in einem Bereich (z.B. Ernährung) sehr bewusst konsumiert und nicht aufhört, sich zu informieren (Dokus etc.) und sich mit Menschen über diese Themen zu unterhalten. Ich bin alles andere als perfekt unterwegs und denke, der Weg ist das Ziel. Es macht einfach Spaß bewusster und nachhaltiger zu leben und sich immer weiter zu entwickeln. Vorbilder sind: Bea Johnson, Plastikfrei Leben, Laura Mitulla, Mehr als Grünzeug und einige andere wunderbare InstagrammerInnen.

Was sind deine Zero-Waste Must Haves?

Rasierer, Glas-Strohhalme, Trinkflasche, Brotdosen, Glasbehälter, Netztaschen, Baumwollsäckchen, Bimsstein, feste Seife.

Wie reagiert dein Umfeld auf das Nachhaltigkeitsthema? Stößt du häufig auf Unverständnis oder Kritik?

Eigentlich nicht! Mein Umfeld reagiert sehr positiv. Auch ich stecke ja noch mitten im Prozess und bin weit entfernt von dem perfekten Zero-Waste-Leben. Mein Ziel ist es ganz einfach, heute besser als gestern zu sein und mir zu überlegen, welche Konsequenzen meine Handlungen haben.

Was sind Lebensbereiche, wo es dir noch schwerfällt, nachhaltige Schritte zu setzen?

Eigentlich vor allem bei den Lebensmitteln. Klar, einerseits klappt das richtig gut. Ich kaufe logischerweise so viel wie möglich plastikfrei. Aber manchmal kauft man sich doch einen Riegel oder geht schnell in den Supermarkt, bei dem halt fast alle Bio-Sachen verpackt sind. Problematisch ist auch glutenfreies Gebäck, das ist leider oft doppelt und dreifach verpackt! 

Wie hat sich die Awareness der Menschen in den letzten Jahren verändert?

Das kann ich schwer einschätzen. Ich habe schon das Gefühl, dass ein paar Leute wachgerüttelt wurden durch immer wiederkehrende Fotos und Videos von Müllinseln im Ozean, Meerestiere, gefüllt mit Plastik, Strände voller Müll, Aufklärung über Mikroplastik und Co. Was klasse ist!! Wie oben erwähnt, fehlt aber trotzdem leider meist die globale connection. Aber ganz ehrlich, ob der Ernst der Lage in Österreich so richtig angekommen ist, bezweifle ich. Ständig sehe ich Menschen, die Einweg-Plastik komplett ohne nachzudenken verwenden. Das macht mir echt Sorge! Außerdem sollte das erste Ziel wirklich nicht sein, Plastik durch Maisplastik oder andere Alternativen zu ersetzen. Am besten macht man sich mal Gedanken, wo man Einweg-Verpackung überhaupt weglassen kann. Den Rest kann man dann immer noch durch clevere Alternativen ersetzen.

Tipps für Müllreduktion/Alltagstipps für nachhaltigeres Leben?

Klein anfangen! Immer eine Tasche zum einkaufen mitbringen, öfter mal in Supermärkte gehen, die unverpackte Produkte anbieten, Baumwollsäckchen mitnehmen, nein zu Strohhalmen in Restaurants sagen und immer eine Trinkflasche mitnehmen, damit unterwegs keine Einweg-Plastikflasche gekauft werden muss. Weniger Takeaway, mehr Essen zuhause vorbereiten und mitnehmen. Auch Mülltrennung ist natürlich ein Basic-Tipp. Ich denke, dass es generell einfach sehr wichtig ist, dass wir bewusst konsumieren und das in allen Bereichen. Egal, ob es dabei um Haushaltsprodukte, Lebensmittel oder Kleidung geht. Und wichtig ist auch, sich klarzumachen, dass man mit seinen Entscheidungen die Welt zu einem besseren Ort machen kann, vor allem, wenn man andere dazu inspiriert, das gleiche zu tun. Dafür muss man übrigens weder eine Million Follower haben oder ein Promi sein, sondern einfach sein Ding machen. Das inspiriert die Leute manchmal noch viel mehr als jemand, den man nur über Social Media beobachtet!

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