S.O.D.A.

Über eine Band, die es wagt ein Pop-Album zu veröffentlichen.


Manchmal kann man sich einig werden. Über Genregrenzen hinweg gibt es in glücklichen Momenten des Musikhörens Ohrwürmer und Melodien, auf die sich eine ganz große Schnittmenge einigen kann. Einigung meint hier geteilte Begeisterung. Großstadtsubkulturen haben sich dieses Kompromisses entledigt und zelebrieren den Widerstand gegen eine Vereinnahmung durch den Mainstream. Punk wollte den "Rock'n'Roll-Swindle" aufdecken und hat es geschafft, den Begriff "Pop" in allen hippen Klassen zu diskreditieren. Ich habe mich an diese Segregation gewöhnt, sie oftmals unterstützt und mich auch in ihr gesuhlt, aber irgendwann begann ich, diese freiwillige Isolation der Szenen zu bedauern, weil mir klar wurde, wieviel dadurch verloren gegangen ist. Was passiert mit uns, wenn nicht mehr Musik der Ausdruck von Lebensfreude ist, sondern nur noch ein bestimmter Takt, ein Beat, eine Bassline oder ein spezifischer Sound? Wir verschließen uns der Freude von geteilter Begeisterung.

 

Die Band S.O.D.A. ist für mich der Inbegriff einer Verweigerungsverweigerung. Oliver Steger, ehemals Bassist in der Formation "Café Drechsler", trommelt unter dem Begriff S.O.D.A. drei weitere gleichgesinnte MusikerInnen zusammen, um eine Pop-Platte aufzunehmen. Ich gehe hier ganz bewusst nicht auf die Zusammensetzung der Stile ein, die dieses Kollektiv in Songs verwandelt. Würde ich es wagen, das Album "soulful" zu nennen, befänden wir uns wieder in der  Falle getrennter Musikszenen, die der Tonträger "Love Call", das erste Album von S.O.D.A., bewusst überwinden will.


Ungewöhnlich beginnt es schon mit der Rhytmus-Sektion: Die Band setzt auf den Percussionisten Amirkasra Zandian und nicht auf ein klassisches Schlagzeug. Auf dem Album bemerkt man dies, weil die Tombak eine außergewöhnlich treibende Dichte schafft. Wirklich zur Entfaltung kommt der Drive aber insbesondere beim Live-Act, weil die Dynamik der Percussion die anderen in der Band viel subtiler und harmonischer antreibt und sie nicht von einer Snare einer allzu lauten Schlagwerksektion erschlagen werden. Dieter Stemmer, Liebhaber von Vintage-Keyboards, verleiht dem Sound der Band eine Oldschool-Erdung und sorgt gleichzeitig dafür, dass moderne, elektronische Hörgewohnheiten auch zu ihrem Zug kommen. Hier wird der erhoffte Brückenschlag, den die Band zu schlagen versucht, offenbar. Patricia Breiteck ist Nachfolgerin von Sarah Bidner. Sarahs Stimme ist auf den meisten Tracks des Albums zu hören. Beide Sängerinnen, und v.a. auch Patricia Breiteck mit ihrer starken Live-Präsenz, zaubern die Würmer ins Ohr und sorgen für Pop-Appeal, den man wieder als Kompliment aussprechen darf. Der Umstand, dass die Texte auf dem Album "Love Call" sogar noch Tiefgang besitzen und sich nicht nur die Stimme gut anhört, macht es mir wirklich schwer, nicht ins Schwärmen zu kommen. Last but not least möchte ich noch auf den Initiator der Band besprechen: Oliver Steger, den Bassisten. Seine Frequenzen sind das tragende Element und seine Grooves tragen dafür Verantwortung, dass die individuellen Noten der anderen Bandmitglieder zu einem großen Ganzen zusammenwachsen können.

Es ist ein Genuss, dieser Band zuzuhören, aber eine wirklich große Freude, sie live zu erleben. Es braucht jetzt nur noch das Publikum, das aus den Löchern seiner Szenen hervorquillt. S.O.D.A. bietet viele Anküpfungspunkte und endlich wieder einmal die Chance, gemeinsam eine große Party zu erleben. Folgt diesem liebevollen Ruf!


S.O.D.A. - "Love Call"

Official Band-Website

Die nächsten Termine:
- 30.11.: Sargfabrik
- 30.12.: b72