Paroli

Die Stellenausschreibung II

Noch wird das nichts mit dem Job beim ORF – noch nicht! Doch wo ein Problem ist, gibt’s auch eine Lösung, mindestens. Hier sind zwei.


Also wenn die Twitterer entscheiden könnten, hätte ich den Job. So oft wurde ich noch nie "gefavt" und "geretweetet" (für nicht-Twitterer: "geliked" und "geshared"). Ein Presseredakteur und Fernsehverweigerer würde sogar extra wegen mir einschalten. Herr Wolf? Ich bringe einen eigenen Zuschauer mit! In Zeiten des enormen Quotendrucks ist das doch nicht zu verachten.

Nach so einer vorbildlichen, weil öffentlichen, Stellenausschreibung und einer öffentlichen Bewerbung, fordern die Menschen auch einen transparenten Bewerbungsprozess - nur zu verständlich.

Doch was sagt der ORF dazu – oh, bei dem habe ich mich ja gar nicht beworben. Was sagt eigentlich Armin Wolf dazu?

Das klingt vielversprechend. Mein Lebenslauf passt. Dass in der ZIB2 gerade nichts frei ist… ja, was soll’s, das kommt vor. Der ORF hat ja noch viele andere spannende Sendungen, irgendwo wird doch ein Plätzchen für mich frei sein...

Oh. Schade. Ist das das mit der Katze und dem Schwanz?
Der ORF hätte nichts gegen Bewerblinge mit zwei Ausbildungen, muss aber sparen. Das Publikum jammert, dass der ORF seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag nicht erfüllt, will deshalb keine Gebühren zahlen. Deshalb hat der ORF kein Geld. Und deshalb bekomme ich keinen Job.

Zwei Lösungsvorschläge:

Nummer eins – Beginn bei der Katze:

Der ORF stellt mich und so viele Menschen mit den Ausbildungen ein, wie er braucht. Wir – ich gehöre dann ja dazu – sorgen für das hochwertigste Programm, das dieses Land je gesehen hat und halten uns dabei an alles, was das Gesetz von uns verlangt

Die Gebührenzahler sind glücklich, die Akzeptanz für unsere Programme steigt ins Unermessliche. Die Menschen wollen mehr Gebühren zahlen. Auch die, die gar nicht fernschauen. Weil sie merken, wie gut unsere Demokratie auf einmal funktioniert. Das kleine Minus, durch die vielen neuen Redakteure, wird der Bevölkerung verschwiegen – das ist einfach nicht durchsetzbar. 

Nummer zwei – Beginn beim Schwanz:

Wir, das Publikum, starten ein Volksbegehren: „Mehr Gebühren für mehr Ökonomen im ORF“. (Wir beginnen mit den Ökonomen, weil ich zuerst einen Job will, erweitern das Ganze dann aber auf alle Fachrichtungen.) Das Volksbegehren wird von der breiten Masse der Bevölkerung unterstützt, weil sie sich bewusst ist, dass der ORF uns braucht. Durch eine Haushaltsabgabe wird sichergestellt, dass alle auch brav zahlen – und wir sparen uns die teuren GIS-Gebühren. Der ORF wird mit Geld überschwemmt und kauft damit nicht teure Serien und Filme, sondern erfüllt seinen Programmauftrag

Die Gebührenzahler sind glücklich, die Akzeptanz für die Programme des ORF steigt ins Unermessliche. Die Menschen wollen mehr Gebühren zahlen. Auch die, die gar nicht fernschauen. Weil sie merken, wie gut unsere Demokratie auf einmal funktioniert. (Katze und Schwanz sind austauschbar – es ist aber ungefährlicher, eine breite anonyme Masse als Schwanz zu bezeichnen, als ein Unternehmen.)

Ich denke, beide Vorschläge haben ihre Stärken und Schwächen. Probieren wir es mit beiden. Ich schicke meine Bewerbung an den ORF und hoffe auf Freiwillige für das Volksbegehren: Wer hilft mir? Ich habe ein richtig gutes Gefühl. Bewerbungen hier unten oder per Twitter (ich zahle nichts – Sparmaßnahmen!).