München

Das Oktoberfest- Party und Politik

Wiedereinmal geht in Bayern die fünfte Jahreszeit zu Ende. Es wurde getrunken, gelacht und vor allem wurden Geschäfte gemacht. Die Münchner Wiesn vereint die bayerische Lebensart: Gemütlich und dabei ziemlich erfolgreich sein.


Die fünfte Jahreszeit in Bayern ist am Sonntag zu Ende gegangen. Über der Stadt hängt noch der Wiesn-Smog. Nicht nur über der Theresienwiese. Die ganze Stadt ist während der 16 Tage im Ausnahmezustand. Es strömen Menschen aus aller Welt zum größten Volksfest der Welt. Etwa drei Millionen Touristen nächtigen während des Oktoberfests in München. Der Großteil in Hotels, viele nehmen ihr Auto als kurzfristigen Schlafplatz; andere versuchen es einfach in Hauseingängen rund um das Wiesngelände. Für sie ist das Fest vor allem: feiern, trinken, Achterbahnfahren. Das Niveau sinkt bei steigendem Bierkonsum. Hemmungslos übereinander herfallende Paare, torkelnde Väter mit ihren Kindern auf den Schultern und grölende Männerhorden vor Wurstbuden. Das Schauspiel, das alljährlich auf der 34 Hektar großen Theresienwiese stattfindet, ist Wahnsinn. Kein Wunder: es fließen 6,7 Millionen Liter Bier in die Rachen durstiger Bayern, Deutscher, Österreicher, Finnen, Chinesen,.... Neben dem Alkohol verbindet sie alle: die Lust sich zu verkleiden. Durch ganz München zieht sich das Bild von Menschen in Dirndln und Lederhosen, in Haferlschuhen, mit Jagdhüten und geflochtenen Zöpfen. Der Trend sich zu verkleiden ist neu: noch vor zehn Jahren waren Menschen in Tracht die Ausnahme. In Schale geworfen haben sich nur die Leute vom Land.

  • Ein Kunstprojekt sammelt widerliche Fotos von der Wiesn
  • Schwer im Einsatz: 300 Polizisten arbeiten auf der Wiesn (c) Johann Strautmann
  • Vor allem steht die Wiesn aber für Tradition (c) picmasta

Mehr als nur ein kollektives Besäufnis

Bei diesem Volksbesäufnis hat vor allem die bayerische Polizei mächtig viel zu tun: 300 Polizsten sind rund um die Uhr im Einsatz. 95 Delikte erfassen die Beamten täglich - macht 1522 an 16 Tagen. 759 Besucher wurden in Gewahrsam genommen. Die Polizei hat auf dem Oktoberfest die größte Außenstelle Bayerns mit eigenen (Ausnüchterungs)-Zellen. 58 Maßkrugschlägereinen wurden gezählt, 17 Sexualdelikte. Insgesamt war für die Polizei die diesjährige Wiesn „übermäßig entspannt“. So sieht das sicher auch Oktoberfest- Chef Dieter Reiter. Die 16 Tage Ausnahmezustand bescheren der Stadt circa sieben Milliarden Euro Mehreinnahmen. Diese Wirtschaftskraft ist unschlagbar. Das wissen auch die Münchner Unternehmen. Ein Highlight im Geschäftsjahr von BMW, MunichRe und Co. ist der Oktoberfestbesuch: Großfirmen laden internationale Kunden zum Wiesnbesuch. Gefeiert wird in VIP-Boxen in einem der 14 Bierzelte. Bevorzugt vor allem in den drei „K-Zelten“: Sepp Krätz´Hippodrom, Kuffler´s Weinzelt und Käfer´s Weinschenke. Jegliche A - Z Prominenz ist hier vetreten. Ob Boris Becker, FC Bayern Stars oder alternde Promeranzen wie Uschi Glas. Das Oktoberfest ist eine riesen Bühne und die Gazetten sind voll von Bildern der Schickeria in Tracht. Sozusagen die Gegenbewegung zu münchenkotzt. 3954 Journalisten aus aller Welt verbreiten 2013 das kollektive Feiern in die ganze Welt. Und das wirkt: die Wiesn ist die größte und billigste PR-Kampagne die Unternehmen sich wünschen können.

Welches Zelt für welche Leut?

Ein urbayerisches Fest

Was sich die Wiesn bei all ihrer Vermarktung und dem Kitsch drum herum bewahrt hat, ist die Tradition. Immer noch die Hälfte der 6,4 Millionen Besucher kommen aus Bayern. Die bayerische Gemütlichkeit, das Verlassen auf Brauchtum und Tradition sind hier immer noch enorm wichtig. Das wissen auch die großen politischen Rivalen: am ersten Wiesnsamstag schenkt der SPD- Oberbürgermeister- und gescheiterte Ministerpräsidentskandidat  Christian Ude dem höchsten Würdenträger Bayerns, CSU- Ministerpräsidenten Horst Seehofer, die erste Maß Bier aus. So will es die Tradition. Rivalität und Kampf? Merkt man den Beiden nicht an. So etwas gehört sich in Bayern nicht. Eine Woche zuvor noch schlägt die CSU in Bayern alle Konkurrenten vernichtend. Mit einer absoluten Mehrheit in der Landtagswahl. Damit ebnet sie auch CDU- Kanzlerin Angela Merkel den Weg zum überragenden Erfolg in der Bundestagswahl.
Jetzt ist erstmal für 348 Tage Schluss. Bis es wieder heißt: O´zapft is! So will es die Tradition. Seit 1810.


München kotzt

Wiesn Bilanz 2013

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