New York

Es freut mich sooo, Dich kennenzulernen

Wir sind uns einig, dass New York die großartigste Stadt der Welt ist? Dann ist ja alles gut. Weiterträumen bleibt natürlich eine Möglichkeit und ist immerhin im Sinne dieser Stadt


Simma per Du? Manuel. Hallo. Es freut mich so sehr, Dich kennenzulernen. Leider hab’ ich Deinen Namen jetzt schon wieder vergessen. Aber ich frage schon nochmal danach, um Interesse an Deiner Person vorzugaukeln. Obwohl vorgaukeln ist eigentlich das falsche Wort, weil ich mein’ das gar nicht abschätzig. Es ist einfach Usus, da wo ich lebe. Das ist New York. Ich treffe andauernd neue Menschen, zu denen ich sage, dass es mich so freut, dass ich sie kennenlernen darf. Na gut, wenn ich das sage, klingt das natürlich vorgegaukelt, aber ich bin eben in Österreich geboren und aufgewachsen, habe vier Jahre in Wien gelebt und bin erst seit Februar 2013 in New York. Ich habe nie gelernt zu sagen, es freue mich jemanden kennenzulernen, außer es freute mich tatsächlich. 

Aber hier ist das anders. Hier sagt man, dass New York die großartigste Stadt der Welt ist. Und in Wien sagt man: “Wenn ma’s sagt, wird’s scho stimmen.” Also stimmt’s. Und sei ehrlich, würdest Du mir glauben, wenn ich Dir sage, dass New York nicht die großartigste Stadt der Welt ist? Es ist selbstverständlich die großartigste Stadt der Welt, die Hauptstadt der Welt. Wirklich cool bist Du nur, wenn Du so wie ich in Brooklyn wohnst. Ein echter Brooklynite. So einfach ist das. 

Gut. Meiner Erfahrung nach ist nach ein wenig New York-Glorifizierung und Erfüllung der Erwartungshaltung ein bisschen Platz für Woaheit und die Werte. Nein, ich bin hier herüben dem Wahlkampf nicht entkommen und nein, es geht eh nicht um die Woaheit. Es geht hier um New York, diese Glitzerstadt, dieses Armenviertel, dessen Modernität, dessen Antiquiertheit, dessen Engagement und dessen Trägheit. Es geht um den Unternehmergeist im legalen und im nicht ganz so legalen Sinn. Es geht um die Sonne und um den Schatten, grau und grün. Fortschritt und Technik. Rückschritte, viele Rückschritte. Es geht um Selbstüberschätzung als Erfolgsprinzip. Ums Leben, miteinander, nebeneinander und übereinander. Und es geht um uns, um Menschen und Maschinen und die Frage, was denn eigentlich der Unterschied sein soll. Und warum stellt sich diese Frage hier ganz besonders?

Da war jetzt einiges an Pathos dabei. Ein bisschen geht noch: Ich habe mal an anderer Stelle geschrieben, New York ist wie ein Bausatz, mit dem Unterschied, dass die Bauteile viel teurer sind, als an den meisten Orten dieses Planeten. Und dass es viel Energie braucht, die Bauteile zu finden, um eine ordentliches Leben zusammenzubasteln. Nirgends gibt es so viele Teile wie hier. Ich sag’s immer wieder: New York ist immer so gut wie Du. Klingt doch fair?


Brookland!

New York und besonders Brooklyn sind schon lange nicht mehr wie sie Jim Jarmusch in "Night on Earth" (1991) dargestellt hat. Aber trotzdem ist der Ausschnitt eine herrliche Einstimmung. Wer solch ähnliche Szene noch erleben möchte, muss sehr weit ins Innerste Brooklyns vordringen.


  • © Manuel Koellner

Zur Einführung

Literatur:
Kurzgeschichten von Truman Capote
Lyrik von Walt Whitman

Online:
Cityroom 
Gothamist 
Village Voice 
HuffPost NY 
NY Observer 
WNYC 

TV:
The Daily Show
Saturday Night Live
Late Night with Jimmy Fallon

Seinfeld
Friends
30 Rock
Sex and the City
King of Queens
Girls
Orange is the new Black
The Cosby Show
Mad Men
How I Met Your Mother

Film:
Taxi Driver
Wall Street
und alle anderen Filme, spielen eh alle in NYC

Der Vollständigkeit halber:
The New York Times
Wall Street Journal
The New Yorker